3D-Maker Sebastian von Additiveworks im Interview
Er hat Maschinenbau studiert, mehrere Jahre als Ingenieur in der Industrie gearbeitet und beschäftigt sich heute jeden Tag mit 3D-Designen wie Lampen, Kaffeezubehör und kleinen Alltagshelfern, die sich jeder herunterladen und zuhause ausdrucken kann. Im ersten Teil unserer Serie Introducing 3D Maker erzählt dir Sebastian von Additiveworks, wie sein Workflow aussieht, welche Materialien er nutzt und was ihn am 3D-Druck begeistert.
Vom Ingenieursalltag zum Vollzeit-Design
Erzähl uns ein bisschen über dich.
Ich bin Sebastian, 29 Jahre alt, aus Deutschland. Ich habe Maschinenbau studiert und einige Jahre als Ingenieur in der Industrie gearbeitet. Mittlerweile beschäftige ich mich den ganzen Tag mit 3D-Druck und Produktdesign. Unter meiner eigenen Brand Additiveworks designe ich Modelle, die sich Leute zuhause herunterladen und selbst ausdrucken können. Lampen, Kaffeezubehör, Stiftehalter, eigentlich alles Mögliche.
Wie bist du zum 3D-Druck gekommen?
Meinen ersten richtigen Berührungspunkt mit 3D-Druckern hatte ich im Studium. Meinen ersten Drucker habe ich mir 2019 gekauft, den musste ich damals noch komplett selbst zusammenbauen. Mich hat die Möglichkeit fasziniert, dass man damit schnell und kostengünstig alles erstellen oder ausdrucken kann, was man modelliert hat, ohne dass man gleich eine Fräsmaschine oder eine Drehmaschine zuhause braucht und tief in die Tasche greifen muss.
Was war dein frühestes Projekt?
Ein Kaffee-Dosiertrichter für Siebträgermaschinen. Ich hatte sowas damals in einem Café bei einem Barista gesehen und brauchte es für meine eigene Maschine zuhause. Also habe ich es mir selbst modelliert und ausgedruckt.
Von der Skizze zum fertigen Teil
Wie sieht dein typischer Workflow aus?
Nach dem Brainstorming folgt meistens eine Handskizze. Danach modelliere ich das Ganze direkt in 3D und mache Testdrucke. Falls nötig, passe ich die Einstellungen nochmal an. Dann kommt der finale Druck, und sobald der fertig ist, geht es an Produktfotos und alles Weitere.
Welche Materialien nutzt du hauptsächlich?
Vor allem PLA, weil es für ästhetische Teile super ist. Es hat eine schöne Oberfläche, oft mit einem matten Design, und genug Lichtdurchlässigkeit für Lampen. PETG ist für mich auch wichtig, für Produkte, die hitzebeständig oder witterungsbeständiger sein müssen. Von Extrudr benutze ich hauptsächlich zwei Sachen: das PLA NX2 in matt, weil es einfach eine super Oberflächenqualität hat und mir die Farben gefallen, und das XPETG in matt, das bisher das einzige PETG ist, das ich gefunden habe, das wirklich eine schöne Oberflächenqualität mit der Temperaturbeständigkeit verbindet, die man für manche funktionalen Teile braucht.
Was brauchst du sonst noch neben dem Drucker selbst?
Der Slicer ist das Wichtigste, weil man damit so vieles einstellen und so drucken kann, dass es reproduzierbar und wiederholgenau bleibt. Einen Filamenttrockner benutze ich auch, weil es öfter mal vorkommt, dass Filament nass oder feucht ist, was schlechte Oberflächen oder Druckfehler produziert. Das kann man damit gut verhindern.
Hinweis: Für das beste Druckergebnis mit Extrudr Filament lade dir unsere Materialprofile auf extrudr.com herunter.
Warum 3D-Druck anderen Verfahren überlegen ist
Warum 3D-Druck statt zum Beispiel Spritzguss?
Die Schnelligkeit und die kostengünstige Prototypenerstellung, das ist eben das Tolle am 3D-Druck. Man hat auch einen viel geringeren Kostendruck. Wenn man im Spritzguss eine Form erstellt, kann das schnell mal 1.000 oder 10.000 Euro kosten, dann muss am Ende natürlich alles passen. Beim 3D-Druck kann man einfach schnell drucken, auch wenn das Teil noch nicht so sauber konstruiert ist, und man hat keinen großen Verlust.
Was fasziniert dich an Support- und Infill-Gitterstrukturen als Design-Werkzeug?
Diese Strukturen sind eine tolle Sache, weil man damit automatisch schöne Muster erzeugen kann. Man kann Hinterschnitte oder organische Formen herstellen, die man mit anderen Fertigungsmethoden sonst gar nicht erst herstellen könnte, oder die viel zu kostenaufwendig wären. Ein Beispiel ist ein Vogelfutterhaus, das ich designt habe, bei dem außen eine Gyroid-Struktur zu sehen ist. So etwas ist mit klassischer Fertigung sehr schwer oder gar nicht herzustellen.
Das richtige Material finden
Wie entscheidest du, welches Material du für ein neues Projekt nutzt?
Das hängt vor allem vom Anwendungszweck ab. Ist es für ein ästhetisches Produkt, ein Dekoobjekt gedacht, oder eher für ein funktionales Teil, das hitze- oder witterungsbeständig sein muss? Wenn es geht, ist mir persönlich wichtig, dass es recyceltes Material oder biologisch abbaubares Filament aus nachwachsenden Rohstoffen ist. Oft ist das nicht möglich, weil die Materialeigenschaften nicht so gut sind, wie man sie manchmal braucht. Die Lieferbarkeit spielt auch eine Rolle, die ist manchmal problematisch, dann muss man auf andere Optionen zurückgreifen. Und natürlich sind Qualität und Preis ein ausschlaggebendes Argument, wenn man die Sachen verkaufen möchte.
Was ist dir bei Farbe und Oberfläche wichtig?
Ich benutze persönlich viel Pastellfarben, deswegen ist es mir wichtig, dass es Farben gibt, die mir gefallen. Eine matte Oberfläche ist für mich auch ein echtes Kriterium, weil ich gerne in diesem Bereich designe und meinen Produkten diesen Look verpasse. Lichtdurchlässigkeit ist ebenfalls wichtig, gerade für Lampen, damit das Filament das Licht schön bricht und gleichmäßig verteilt.
Die Arbeit mit Extrudr Filamenten
Wie waren deine Erfahrungen beim Bestellen bei Extrudr?
Durchweg positiv, deswegen bestelle ich auch hauptsächlich dort. Sehr gute Druckbarkeit, eine schöne Oberfläche und diese matten Strukturen, die mir sehr gut gefallen. Ich hatte selten Fehldrucke, das Filament ist immer trocken, selbst ab Werk, und es hat eine super hohe Festigkeit, selbst bei PLA. Es ist einfach immer ein stabiles Material.
Was macht die matten Filamente für deine Arbeit besonders?
Sie sind wirklich ästhetisch und sehen gut aus. Manche Designs werden dadurch überhaupt erst zu dem, was sie am Ende sind, ein glänzendes PLA würde da gar nicht passen. Das ist schon außergewöhnlich gut. Das PLA NX2 MATT hat mich besonders positiv überrascht, weil es eine höhere Festigkeit hat als andere PLAs, die ich verwendet habe, manche davon waren im Vergleich dazu unbrauchbar.
Handwerk, Probleme und der letzte Schliff
Wie bringst du Stabilität und Ästhetik unter einen Hut?
Vor allem über das Design. Wenn etwas nicht stabil genug ist, muss man es dicker oder anders designen. Am Ende sind das richtige Material und die richtigen Druckeinstellungen ausschlaggebend für Ästhetik und Robustheit.
Wie gehst du mit Stützstrukturen und der Nachbearbeitung um?
Stützstrukturen versuche ich zu vermeiden, wenn es geht, weil sie nie eine tolle Oberflächengüte erzeugen. Man sieht immer, wenn irgendwo Stützstrukturen angewendet oder abgebrochen wurden. Meistens benutze ich Hitze, eine Heat Gun oder etwas Ähnliches, um Fäden zu entfernen, vor allem bei PLA, oder ein Messer, um Feinheiten nachzuarbeiten oder Unschönes wegzuschneiden. Fehldrucke oder Prototypen, die ich nicht gebrauchen kann, versuche ich zum Recyceln einzuschicken und bekomme dafür neues Filament zurück, oder ich verkaufe sie günstiger oder verschenke sie an Freunde. Am besten landet nichts im Müll, auch wenn das natürlich nicht immer geht.
Was war bisher dein anspruchsvollstes Projekt?
Wahrscheinlich die Gyroid-Lampe. Sie besteht aus mehreren Teilen mit Gewinden, das Ganze ohne Supportstruktur, dazu dieses Gyroid-Infill-Muster mit Lichtdurchlässigkeit, damit das Licht für die Lampe entsprechend gebrochen wird. Das war schon eine Herausforderung.

Was machst du, wenn ein Design nicht funktioniert?
Alle Designs, bei denen diese offene Struktur zu sehen ist, sind mit anderen Fertigungsmethoden sehr schwer oder gar nicht herzustellen. Es gibt auch Filamente, mit denen meine Designs nicht so schön ausgesehen oder gar nicht funktioniert hätten. Deshalb analysiere ich immer die Ursache: Lag es an den Druckeinstellungen, an den Slicereinstellungen oder am Design selbst? Ich versuche, es so anzupassen, dass es funktioniert. Wenn es selbst mit anderen Einstellungen nicht hinhaut, muss ich zur Not umdesignen oder ummodellieren.
Was als Nächstes kommt
Was ist für dich das Besondere am 3D-Druck?
Die grenzenlosen Möglichkeiten für Designs. Heute fällt mir ein Design ein, morgen kann ich es schon modellieren und sogar ausdrucken. Diese Schnelligkeit, schnelle und kostengünstige Prototypen zu erzeugen, das ist das Besondere.
Welche Materialien möchtest du dir als Nächstes anschauen?
Ich werde mir wahrscheinlich flexible Materialien anschauen, vielleicht auch in Kombination mit steifen Materialien. Also TPUs in verschiedenen Härten oder sowas, das wäre in Zukunft sicher interessant.
Was wird aktuell am meisten gedruckt?
Lampen sind aktuell natürlich ein großes Thema. Dann Organizer, Aufbewahrungsmöglichkeiten, Stiftehalter und Dinge, die kleine Alltagsärgernisse fixen, wie Kabel, die immer runterfallen. Dafür habe ich Kabelhalterungen erstellt, genauso wie andere Dinge, die zuhause einen festen Platz brauchen. Das kann man selbst schnell modellieren und passende Designs erstellen.
Wo siehst du die Zukunft des 3D-Drucks?
Ich glaube, es wird noch weiter zugänglich gemacht und leistungsfähiger. Ich denke, irgendwann wird fast jede Privatperson zuhause einen 3D-Drucker stehen haben. Dann wird es auch nicht mehr so wichtig sein, dass Sachen online gehandelt und verschickt werden müssen, weil man sich Produkte vielleicht selbst zuhause ausdrucken kann. Man muss sie dann nur noch herunterladen statt online zu kaufen, nur die Datei eben. Die Materialvielfalt wird größer, die Materialien werden besser, vielfältiger und stabiler. Meine Hoffnung ist, dass man Sachen lokal zuhause produzieren kann und die Umwelt geschont wird, wenn weniger Versand nötig ist, und dass der Recycling-Kreislauf effizienter funktioniert, vielleicht sogar zuhause recyceln oder alles dorthin schicken, wo es wirklich recycelt wird. Mal sehen, was wir in den nächsten Jahren sehen werden.
Sieh dir das exklusive Interview an.
