Künstler Stefan Reiterer arbeitet seit sechs Jahren mit 3D-Druck. Für seine Ausstellung level in Bregenz hat er WOOD-Filament als Kernelement gewählt und zeigt, wie technische Präzision und künstlerische Wahrnehmung zusammenwachsen können.
Stefan Reiterer: Zwischen digitalem Bild und physischem Raum
Stefan Reiterer ist im niederösterreichischen Waldviertel aufgewachsen, wo sein Kunstprofessor die Schule buchstäblich in ein begehbares Museum verwandelte. Diese frühe Erfahrung, dass Kunst Raum verändern kann, hat seine Arbeit bis heute geprägt. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und ist heute nicht nur als Künstler aktiv, sondern auch als Mitbegründer des Projektraums new jörg Teil der Wiener Kunstszene.
Inhaltlich kreist seine Arbeit um eine zentrale Frage: Wie nehmen wir Raum wahr? Und wie lässt sich das, was wir aus der Vogelperspektive kennen, etwa Satellitenbilder oder kartografische Darstellungen, in ein physisches Erlebnis übersetzen? Der 3D-Druck ist für ihn dabei kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das genau diese Übersetzungsleistung ermöglicht.
Drucken als künstlerische Praxis
Für viele ist der 3D-Druck ein technisches Werkzeug, ein Weg, um Prototypen zu erstellen oder Bauteile herzustellen. Stefan Reiterer sieht es anders: Der Drucker ist für ihn ein Teil des künstlerischen Prozesses, mit all seinen Unsicherheiten und Überraschungen.
Den Einstieg in den 3D-Druck fand er über den Wiener Makerspace Happy Lab, dessen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihn erstmal auf Holzfaser-Filament aufmerksam machten. Was ihn damals gereizt hat: die Möglichkeit, von bemalten MDF-Flächen hin zu dreidimensionalen, gedruckten Objekten zu arbeiten, die dasselbe organische Material in sich tragen. Sechs Jahre später ist der 3D-Druck fixer Bestandteil seiner Praxis.
In seiner aktuellen Serie der sogenannten formants werden 3D-gedruckte Skulpturen zur Grundlage für Malerei: Die gedruckte Form wird grundiert, bemalt und damit zur Leinwand in drei Dimensionen. Das Ergebnis sind Objekte, die zwischen Skulptur und Bild stehen und die Architektur des Ausstellungsraums direkt aufgreifen.
WOOD-Filament: organische Haptik, bearbeitbare Oberfläche
Stefan Reiterer arbeitet mit unserem WOOD-Filament, einem Material, das echte Holzfasern als Bestandteil enthält und sich dadurch deutlich von Standard-Filamenten unterscheidet. Für seine künstlerische Arbeit sind drei Eigenschaften entscheidend:
Die Kombination aus drucktechnischer Präzision und haptisch-organischer Oberfläche macht WOOD-Filament zu einem Material, das in der Schnittmenge zwischen digitalem Herstellungsprozess und handwerklichem Nachbearbeiten liegt. Für künstlerische Anwendungen, bei denen die Oberfläche selbst weiterentwickelt werden soll, ist das eine relevante Eigenschaft.

Genaue Druckparameter variieren je nach Drucker und Setup. Aktuelle Empfehlungen findest du direkt auf der Produktseite unseres WOOD-Filaments und im jeweiligen vorgefertigten Materialprofil.
Stefan Reiterer im Gespräch
Extrudr: Für level hast du mit WOOD-Filament gearbeitet. Wie bist du darauf gestoßen, und war das von Anfang an die erste Wahl? Hast du andere Filamente auch ausprobiert?
Stefan: Ich bin vor 6 Jahren in etwa auf das WOOD-Filament gestoßen, weil mir MitarbeiterInnen von dem Makerspace Happy Lab in Wien davon erzählt haben. Damals schien mir die Weiterentwicklung von Malereien auf MDF zu einem 3D-Druck mit einem Filament aus Holzfasern besonders reizvoll.
Extrudr: Wie war die konkrete Erfahrung mit dem Extrudr WOOD Filament – die Textur, die Haptik, der Geruch? Was hat dich überrascht, was hat möglicherweise nicht sofort funktioniert?
Stefan: Die Textur und die Haptik und vor allem der Geruch vom WOOD-Filament haben mich von Anfang an recht überzeugt. Vor allem, dass man das Material sehr gut schleifen kann, ist für mich sehr praktisch.
Extrudr: Du bemalst die 3D-Drucke im Anschluss. Wie verhält sich Farbe auf dem Holzfaser-Filament? Gibt es da Unterschiede zu anderen Untergründen, auf denen du arbeitest?
Stefan: Ich grundiere die 3D-Drucke vor dem Bemalen sorgfältig, dann funktioniert der Farbauftrag auch ziemlich optimal. Bei sehr verwinkelten und verdrehten Objekten braucht's dann manchmal mehr Feingefühl bzw. Wendigkeit mit den Pinseln.
Extrudr: Wie viele Iterationen hat es gebraucht, bis die Drucke für level das waren, was du dir vorgestellt hast? War Offenheit gegenüber dem Ergebnis von Anfang an Teil des Prozesses?
Stefan: Für die Ausstellung im Bildraum Bodensee habe ich zum ersten Mal selbst gedruckte 3D-Drucke verwendet und das war einiges an Learning by Doing. Im Endeffekt stehe ich aber sehr offen Fehlern gegenüber. Die sind für die Weiterentwicklung meiner künstlerischen Arbeit auch sehr wichtig.
level: Architektur, Wahrnehmung, Skulptur
In level beschäftigt sich Stefan Reiterer mit der Stadt Bregenz und ihrer Architektur. Die formants-Skulpturen, gedruckt, geschliffen, grundiert und bemalt, greifen die räumlichen Strukturen des Bodenseeraums auf und verzerren oder schichten sie neu. Der Ausstellungsraum selbst wird Teil des Werks.
Es ist das erste Mal, dass Reiterer ausschließlich selbst gedruckte Objekte für eine Ausstellung einsetzt. Ein Schritt, der auch für seine künstlerische Praxis neue Maßstäbe setzt.

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